Aufschieberitis

 

 

Nur für Erwachsene – BDSM – Erotik



 

Aufschieberitis

Liebe Leserin, lieber Leser,

Aufschieberitis – was versteht man darunter?

Ich habe geplant, etwas zu tun – doch wenn die Zeit dafür da ist, stelle ich fest:

  • Ich habe überhaupt keine Lust zu beginnen!

  • Abhängen ist viel bequemer!

  • Es gibt Wichtigeres im Leben!

  • So dringend ist es doch nicht!

  • Ah, nicht jetzt!

  • Es macht mir im Moment gar keinen Spaß!

  • Es wird sich schon noch ausgehen, wenn ich erst morgen beginne!

Da erinnere ich mich mit einem Lächeln an Jerome K. Jerome: „Drei Mann in einem Boot“, wo der Autor ziemlich zu Beginn Folgendes schreibt:

Bei mir war es die Leber, die nicht in Ordnung war. Ich war sicher, daß meine Leber nicht in Ordnung wäre, da ich gerade vorher ein Zirkular über patentierte Leberpillen gelesen hatte, worin die verschiedenen Symptome ganz genau angegeben waren, an denen man ganz sicher erkennen konnte, ob die Leber in Ordnung sei oder nicht. Alle diese Symptome zeigten sich bei mir.

Im gegenwärtigen Falle aber – um wieder auf die patentierten Leberpillen zurückzukommen – hatte ich wirklich die Symptome ohne alle Frage; das Hauptsächlichste darunter war »eine allgemeine Abneigung gegen irgendwelche Art Tätigkeit«.

Was ich in dieser Hinsicht leide, kann keine Zunge aussprechen. Von meiner frühesten Kindheit an habe ich darin ein wirkliches Martyrium ausgestanden. Während meiner Knabenjahre verließ mich das Übel kaum einen Tag. Man wußte damals nicht, daß ich an der Leber litt. Die ärztliche Wissenschaft war damals noch nicht so weit vorgeschritten wie heutzutage; daher nannte man mein Übel einfach »Faulheit«! »Verfluchter Bengel!« pflegte man mir zu sagen, »steh‘ auf und tue etwas für deinen Lebensunterhalt! Marsch, vorwärts!« – Man wußte eben nicht, daß ich krank war!

Und man gab mir keine Pillen – nein, man gab mir eins an den Kopf. Und, so seltsam dies erscheinen mag, diese Ohrfeigen kurierten mich oft wunderbar schnell, wenigstens für eine Zeitlang. Ich erinnere mich, daß damals eine einzige solche Ohrfeige eine größere Wirkung auf mein Leben ausübte – denn ich raffte mich in der Regel rasch auf, um sofort zu tun, was man von mir begehrte – als heutzutage eine ganze Schachtel voll Pillen. Man weiß ja – es geht oft so – diese altväterlichen Hausmittel sind manchmal viel wirksamer als der ganze Apothekerkram.

Dieses köstliche Buch ist – da das Urheberrecht erloschen ist – mittlerweile kostenlos u.a. auf Gutenberg zu finden http://gutenberg.spiegel.de/buch/drei-mann-in-einem-boot-2670/1

(Es gibt übrigens auch die Möglichkeit, aus den einzelnen Gutenberg-Kapiteln ein gesamtes ePub-Buch zu erzeugen: http://www.epub2go.eu/)

Früher wurde dieses Phänomen der Aufschieberitis eben einfach zur Faulheit gezählt. Vielleicht war das eine Vereinfachung, doch so ließ sie sich leicht wirksam bekämpfen.

Ich habe schon mehrmals über diese Unart geschrieben:

Sibylle hatte dieses Aufschiebe-Problem und ging es erfolgreich mit ihrem Paddel an (siehe Blog „Sibylles Paddel“ vom 16.7.2014).

In Melanie I ( „Melanie muss abnehmen: BDSM – Erziehung und Disziplin“) werden die wichtigen Tasks geplant, ausgeführt und kontrolliert:

Ja, und täglich in der Früh nimmst du den Kalender und planst den Tag. Du verschaffst dir einen Überblick über die Aufgaben im Stundenplan, über die Termine, die du im Kalender fixiert hast, und über weitere Tasks, die anstehen.

Dann markierst du Montags bis Freitags die drei bis fünf wichtigsten davon mit einem Rufzeichen, das heißt, diese sind unbedingt durchzuführen. Sie sollten dich möglichst in Richtung auf deine Lebensziele voranbringen. Stell dabei sicher, dass du die Zeit entsprechend einteilen kannst, sodass sich diese Tasks auch ausgehen. Abends werden diese Aktionen kontrolliert, und eine Nichtausführung wird bestraft. Es geht dabei nicht darum, dich einzuschränken, sondern darum, dass du dich daran gewöhnst, täglich zu überlegen, was für dich und dein Leben wichtig ist.

In „Melanie II: BDSM – Spiel und Ernst“ werden Ereignisketten definiert:

Natalie lächelt: „Nun gut, dann werde ich mich ab sofort wieder ’normal‘ benehmen und mich nur fürs Zu-Spät-Kommen und fürs Faulenzen bestrafen.“

„Was du noch tun kannst, ist, das Üben mit einer Belohnung zu koppeln, oder besser gesagt mit einem Privileg, oder einer Annehmlichkeit. Also: Zuerst üben, dann gibt es Abendessen: Kein Üben – kein Abendessen! Oder: Zuerst üben, dann darfst du Fernsehen: Kein Üben – kein Fernsehen!

So kann man gut strukturierte Gewohnheiten bilden: Erst nach dem morgendlichen Turnen gibt es Frühstück. Erst nach der Strafe gibt es wieder etwas zu essen. Erst wenn alles weggeräumt ist, darf man auf dem PC spielen oder schlafen gehen, Zeitung lesen, Musik hören, Sex genießen, Internet surfen,…

Diese Methode weckt zwar nicht unbedingt Begeisterung für ungeliebte Tätigkeiten, aber durch die regelmäßige Kopplung der Tasks gewöhnt man sich an die gewünschten Abläufe, und man wird die darin eingebauten Tätigkeiten nicht so leicht aufschieben.

Was kann man somit gegen Aufschieberitis tun?

1.) Belohnung ist eine gute Motivation. Wenn sie funktioniert, ist sie das Mittel der Wahl – schließlich ist sie zweifellos angenehmer als Strafe. Belohnen Sie sich für rechtzeitig und gut ausgeführte Arbeit!

2.) Was jedoch,

  • wenn Lob und Belohnung nicht ausreichend wirken?
  • Wenn man am Ende jeder Frist in Panik verfällt, weil die Arbeit nicht rechtzeitig fertig wird (oder nur mit höchster Anstrengung und im letzten Moment)?

  • Wenn sich die Zeit nicht vernünftig einteilen lässt und man nie zu den Dingen kommt, die einen wirklich erfreuen, weil stets irgendetwas Aufgeschobenes noch wartet?

  • Wenn man Karriere oder Freundschaften durch verpatzte Termine aufs Spiel setzt?

  • Wenn Schuldgefühle wegen unnötiger Verzögerungen und das Grausen vor drohenden Terminen das tägliche Leben bestimmen?

Dann sollte man neben dem Zuckerbrot zur Unterstützung auch den Einsatz der Peitsche in Erwägung ziehen. Die schlechte Angewohnheit der Aufschieberitis ist der Selbstdisziplin nämlich gut zugänglich: Man wird sich gar nicht oft bestrafen müssen – bei konsequenter Anwendung gewöhnt man sich sehr rasch an Disziplin.

Und Selbstdisziplin hat durchaus ihre Vorteile:

  • Man plant wichtige Aktionen und Termine selbst, gut überlegt und genau – die geplante Handlung und der Zeitpunkt machen also Sinn und man steht voll dahinter.

  • Man fixiert Aktion und Start z.B. im Kalender – Vergessen ist nicht möglich.

  • Eine Strafe für das Nichtausführen wird festgelegt.

  • Man kontrolliert sich selbst – das gelingt genauer als durch andere.

  • Jedes Aufschieben über den mit sich vereinbarten Punkt wird bestraft. Falls man diese Konsequenz aufbringt, hat man seine Aufschieberitis rasch besiegt!

„Faulheit“ lässt sich wirksam bekämpfen – aber nicht mit Leberpillen,

meint

Herbert